Alternative Proteine und virtuelle Welten für die Ernährung der Zukunft

Die „Agrarsysteme der Zukunft“ zeigen auf der Tagesspiegel Fachkonferenz innovative Wege zu resilienten Agrar- und Ernährungssystemen

13.07.2026
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Das Team von AdZ beim Tagesspiegel-Forum. Foto: Jonas Duderstädt/IGZ
Das Team von AdZ beim Tagesspiegel-Forum. Foto: Jonas Duderstädt/IGZ

Wie können Agrar- und Ernährungssysteme angesichts von Klimawandel, geopolitischen Konflikten, Lieferkettenrisiken und wachsendem Innovationsdruck resilient gestaltet werden? Dieser Frage widmete sich die Tagesspiegel Background Fachkonferenz Agrar & Ernährung am 7. Juli 2026 im Tagesspiegel-Haus in Berlin. Unter dem Leitthema „Gesund und sicher versorgt? Landwirtschaft, Politik und Handel im Stresstest“ diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft über Strategien für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungspolitik. Die Fördermaßnahme „Agrarsysteme der Zukunft“ brachte ihre Expertise mit einem Fachworkshop zu alternativen Proteinen, einem Impulsvortrag sowie innovativen Exponaten aus zwei Forschungskonsortien in die Konferenz ein.

Eröffnet wurde die Fachkonferenz von Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. In seiner Begrüßung unterstrich er die Bedeutung resilienter und sicherer Agrar- und Ernährungssysteme als Grundlage für die Versorgungssicherheit in Zeiten von Klimawandel, geopolitischen Krisen und globalen Lieferkettenrisiken.

Einen fachlichen Impuls setzte Dr. Ferike Thom, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und Mitglied des Konsortiums food4future, mit ihrem Vortrag „Mehr als satt: Sicher und gesund versorgt – was braucht es?“. Gemeinsam mit Dr. Claudia Huneke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigte sie auf, welche Voraussetzungen für eine sichere, gesunde und nachhaltige Ernährung geschaffen werden müssen und welche Rolle Innovationen sowie die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme für die zukünftige Versorgungssicherheit spielen.

Vor diesem Hintergrund präsentierte die Fördermaßnahme „Agrarsysteme der Zukunft“, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), konkrete Lösungsansätze für resiliente Agrar- und Ernährungssysteme.

Im Workshop „Ernährungssouveränität durch alternative Proteine? Herausforderungen und Lösungsansätze im Wertschöpfungsnetzwerk“ diskutierten Vertreter*innen aus Forschung, Politik, Wirtschaft und Praxis, wie alternative Proteinquellen zur regionalen Resilienz und Ernährungssouveränität beitragen können. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Forschung, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung enger miteinander verzahnt werden können, um regionale Wertschöpfung zu stärken und Innovationen schneller in die Praxis zu überführen.

„Alternative Proteinquellen sind ein wichtiger Baustein für resiliente Agrar- und Ernährungssysteme. Entscheidend ist jetzt, Forschung, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung stärker miteinander zu vernetzen. Nur wenn Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen gedacht werden, können sie den Schritt aus der Nische in die breite Anwendung schaffen und die regionale Ernährungssouveränität stärken.“ Prof. Dr. Monika Schreiner, Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ), und Prof. Dr. Thomas Weith, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), Moderation des Workshops.

Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden an vier interaktiven Thementischen gemeinsam an zentralen Fragestellungen entlang der Wertschöpfungskette. Im Fokus standen die Themen Produktion und Kultivierung, Verarbeitung und Infrastruktur, Markt, Nachfrage und Akzeptanz sowie Regulierung, Förderung und Governance. Ziel war es, konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, Hemmnisse im Protein-Wertschöpfungsnetzwerk sichtbar zu machen und Strategien für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis zu erarbeiten.

Die Beiträge der Fachkonferenz machten deutlich, dass resiliente Agrar- und Ernährungssysteme nur im Zusammenspiel von Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen können. Genau diesen Ansatz verfolgen die „Agrarsysteme der Zukunft“: In sechs inter- und transdisziplinären Forschungskonsortien entwickeln Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Praxisbeteiligten Lösungen, die wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Anwendung bringen und die Transformation des Agrar- und Ernährungssystems unterstützen.

Neben dem Workshop präsentierten die Konsortien CUBES Circle und food4future auf der Ausstellungsfläche innovative Virtual-Reality-Anwendungen. Unter dem Motto „Virtuelle Realitäten für reale Transformation“ lud food4future Besucher:innen zur VR-Erfahrung „Future Food“ ein. Bei CUBES Circle konnten die Teilnehmenden mithilfe von Virtual Reality selbst die Rolle von Landwirt*innen übernehmen und ein nachhaltiges Kreislaufsystem bewirtschaften, in dem Fische, Tomaten und Insekten gemeinsam produziert werden. Die Anwendungen machten komplexe Agrifood-Systeme anschaulich erlebbar und vermittelten innovative Ansätze für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Die Fördermaßnahme „Agrarsysteme der Zukunft“ vereint sechs inter- und transdisziplinäre Forschungskonsortien sowie eine Zentrale Koordinierungsstelle. Gemeinsam entwickeln sie Lösungen für faire, resiliente und verantwortungsvolle Agrar- und Ernährungssysteme entlang gemeinsam entwickelter Transformationspfade. Ziel ist es, ökologische Tragfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden und die Transformation hin zu zukunftsfähigen Agrarsystemen aktiv zu gestalten.

Die Fördermaßnahme freute sich über den intensiven Austausch mit Expert*innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie über die vielfältigen Impulse für die Weiterentwicklung resilienter Agrar- und Ernährungssysteme.

Weiterführende Informationen

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf der Website www.agrarsysteme-der-zukunft.de veröffentlicht.