Das IGZ bei ‚Ubuntu Futures Tanzania 2026‘: Ernährungssysteme neu denken durch relationale Zukunftsforschung
Der Workshop orientierte sich an der Ubuntu/Utu-Philosophie, einer beziehungsorientierten Tradition aus Ost- und Südafrika, welche die gegenseitige Abhängigkeit und kollektive Verantwortung betont. In diesem Rahmen diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Werte wie Fürsorge, Gegenseitigkeit und Wiedergutmachung die zukünftige Steuerung von Ernährungssystemen prägen können.
Als Teil des Leibniz-Labs „Systemische Nachhaltigkeit“ vertrat Dr. Mahlet Degefu Awoke das IGZ bei dem Workshop und moderierte einen der Dialoge in kleinen Gruppen in der Session „Was muss im Gedächtnis bleiben, damit die Zukunft uns ernähren kann?“. In diesem Dialog reflektierten die Teilnehmenden über Praktiken und Wissen, die Ernährungssysteme über Generationen hinweg erhalten haben, sowie darüber, was bei den aktuellen Veränderungen verloren zu gehen droht.
Während der beiden Tage führten die Teilnehmenden geschichtenbasierte Dialoge, System-Mapping und partizipative Foresight-Übungen durch. Dabei arbeiteten dabei interdisziplinär und sektorübergreifend und wechselten bewusst zwischen verschiedenen Wissensformen, darunter wissenschaftliche Expertise, gelebte Erfahrung, mündliche Überlieferung und das kollektive Gedächtnis der Gemeinschaft. Der Workshop endete mit einem „Ubuntu Futures Covenant“: einer kollektiven Erklärung der Verantwortung und des Engagements für eine gerechtere und widerstandsfähigere Zukunft im Bereich Ernährung und Ökologie.
Die Diskussionen unterstrichen, wie wichtig die Integration von wissenschaftlichem, indigenem, erfahrungsbasiertem und gemeinschaftsbasiertem Wissen ist, um miteinander verknüpfte Herausforderungen wie Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und Ernährungsunsicherheit anzugehen. Der Workshop knüpft an die Forschung des IGZ an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Ernährungssystemen und globalem Wandel an sowie an dessen Engagement, ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Dimensionen bei der Bewältigung von Herausforderungen im Bereich Ernährungssicherheit und biologischer Vielfalt zu berücksichtigen.
Die Teilnahme an diesem Workshop hat Folgendes deutlich gemacht:
- Wissenschaftliche Expertise ist eine von mehreren legitimen Wissensformen. Resiliente Ernährungssysteme sind ebenso sehr auf gelebte Erfahrung, mündliche Überlieferung und das kollektive Gedächtnis der Gemeinschaft angewiesen wie auf Forschungsergebnisse.
- Der Wert relationaler Methoden: Der auf Geschichten basierende Dialog und partizipative Zukunftsforschung bieten Ansätze zur Einbindung von Akteuren, die über reine Konsultation hinausgehen und zu echter gemeinsamer Reflexion führen – mit potenzieller Relevanz für unsere eigenen Forschungsprozesse.
- Neue Verbindungen zu Forscher*innen, Praktiker*innen und Gemeinschaftsorganisationen, die sich in ganz Tansania und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent mit Ernährungssicherheit und Biodiversität befassen – darauf hoffen wir, im Rahmen künftiger Zusammenarbeit aufbauen zu können.
Der Workshop wurde vom Deutschen Institut für Globale und Regionalstudien (GIGA), dem Leibniz-Lab „Systemische Nachhaltigkeit“, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) sowie dem Zentrum für internationale Forstforschung und Welt-Agroforstwirtschaft (CIFOR-ICRAF) organisiert – vielen Dank für die Schaffung dieses Raums und für die Zusammenarbeit.
Weitere Informationen
- Workshop Webseite https://www.ll-systain.org/events/utu-ubuntu-futures-tanzania-2026/
- Leibniz Lab 'Systemic Sustainability: https://www.ll-systain.org/de/