Quinoa als Kulturpflanze für Grenzertragsböden: Potenzial und Herausforderungen in Zentralasien

02.06.2026
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Versuchsfeld für Quinoa an der Universität Hohenheim. Foto: IGZ / Damir Esenaliev.
Versuchsfeld für Quinoa an der Universität Hohenheim. Foto: IGZ / Damir Esenaliev.

Eine neue Übersichtsarbeit, die im Journal of the Science of Food and Agriculture von Forschern der Universität Hohenheim (UHOH), des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften (IGZ, ehemals Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau) und usbekischen Partnern veröffentlicht wurde, untersucht, ob Quinoa zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in extremen Umgebungen beitragen kann – also auf Flächen, auf denen traditionelle Nutzpflanzen aufgrund von Trockenheit, Versalzung oder extremen Temperaturen nur schwer gedeihen. Die Studie unter der Leitung von Sandra Schmöckel und Tabea Mengen an der UHOH, an der auch der IGZ-Forscher Damir Esenaliev sowie Kooperationspartner aus Usbekistan mitwirkten, konzentriert sich auf Zentralasien und das Aralsee-Becken als Fallstudie und bewertet kritisch die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte. Finanziert wurde das zugrunde liegende Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) und der usbekischen Regierung.

Extreme Standorte machen rund 21 % der gesamten Landfläche der Erde aus und beherbergen etwa 1,75 Milliarden Menschen, die meisten davon in Entwicklungsländern. Allein in Usbekistan stieg der Anteil stark versalzener bewässerter Ackerflächen zwischen 1990 und 2018 von 38 % auf 58 %, was viele Landwirt*innen zur Aufgabe ihrer Betriebe zwang. Quinoa (Chenopodium quinoa) ist eine Getreideart aus den Anden, deren Toleranz gegenüber Trockenheit, Salz und Temperaturextremen umfassend untersucht wurde. Seit ihrer Einführung in Zentralasien im Jahr 2015 wurde sie in Feldversuchen in Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Russland getestet und erzielte unter unterschiedlichen Bodenbedingungen Erträge zwischen 0,6 und 3,8 Tonnen pro Hektar.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die große genetische Vielfalt von Quinoa – mit über 16.000 in Genbanken konservierten Akzessionen – eine solide Grundlage für die Züchtung von Sorten bietet, die für die rauen lokalen Bedingungen geeignet sind. Als eine der wenigen halophyten Pflanzen kann Quinoa salzgeschädigte Böden regenerieren und gleichzeitig zur Nahrungsmittelproduktion beitragen. Die Autoren warnen jedoch davor, dass Umweltresilienz allein nicht ausreicht. Die wirtschaftliche Rentabilität hängt stark vom Marktzugang und den Erzeugerpreisen ab, während soziale Faktoren – insbesondere unsichere Landbesitzverhältnisse und die begrenzte Autonomie der Landwirte in Ländern wie Usbekistan – die Einführung neuer Kulturpflanzen behindern. D

ie Autor*innen der Studie folgern, dass die Ausschöpfung des Potenzials von Quinoa in Randgebieten koordinierte Maßnahmen in den Bereichen Pflanzenzüchtung, Entwicklung der Wertschöpfungskette und politische Reformen gleichzeitig erfordert. Dazu können politische Rahmenbedingungen zur Förderung der Kulturpflanzenvielfalt, Investitionen in die Pflanzenzüchtung und landwirtschaftliche Beratungsdienste, Verbesserungen der Verarbeitungs- und Einzelhandelsinfrastruktur sowie Bemühungen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Quinoa als nahrhafte Lebensmitteloption gehören.

Originalpublikation
Mengen, A.T., Esenaliev, D., Babadjanov, J., John, L., Schmöckel, S.M. & Khaitov, B. "Is quinoa-farming sustainable in marginal environments? Social, economical and environmental aspects." Journal of the Science of Food and Agriculture (2026). https://doi.org/10.1002/jsfa.70657

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