Forschung an klimaresilienten Pflanzen: Dr. Justyna Olas über Wissenschaft und Führung am IGZ

11.02.2026
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Dr. Justyna Olas ist Forschungsgruppenleiterin am IGZ. Foto: J. Vogt
Dr. Justyna Olas ist Forschungsgruppenleiterin am IGZ. Foto: J. Vogt

Am 11. Februar würdigt der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft die Beiträge von Wissenschaftlerinnen und ermutigt Mädchen, eine Karriere in der Wissenschaft anzustreben. Zu diesem Anlass sprachen wir mit Dr. Justyna Olas. Seit 2023 leitet die Molekularbiologin eine Forschungsgruppe am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ), die derzeit von einer Junior- zu einer regulären Forschungsgruppe umgewandelt wird. Ihr Team untersucht, wie Pflanzen Entwicklungsprogramme mit Umweltstresssignalen verknüpfen – ein Thema, das für die Entwicklung klimaresistenter Nutzpflanzen von großer Bedeutung ist.

Was hat Sie ursprünglich zur Pflanzenforschung gebracht?
Justyna Olas: Ein entscheidender Moment war der Umzug von Polen nach Dänemark, um mein Studium in Kopenhagen fortzusetzen. Dort hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, in einem internationalen Umfeld mit Kolleg*innen aus vielen verschiedenen Ländern zu arbeiten, die alle begeistert und leidenschaftlich für die Wissenschaft waren. Dadurch wurde mir klar, dass dies genau die Arbeit ist, die ich mir wünschte: Pflanzen verstehen, molekulare Werkzeuge einsetzen und Teil einer globalen wissenschaftlichen Gemeinschaft sein.

Ihre Karriere führte Sie von Polen nach Dänemark, dann ans Max-Planck-Institut und an die Universität in Potsdam und nun nach Großbeeren. Welche Erfahrungen haben Sie am meisten geprägt?
Justyna Olas: Jede Station war prägend. In Dänemark kam ich zum ersten Mal mit internationaler Forschung in Berührung, in Potsdam lernte ich unabhängiges wissenschaftliches Denken und molekulare Pflanzenbiologie, und später entwickelte ich durch Postdoc- und Gruppenleitungsaufgaben meine Fähigkeiten im Projektmanagement, in der Betreuung und in der Entwicklung von Forschungsideen. Zusammen haben diese Erfahrungen meine wissenschaftliche Perspektive geprägt und mich dorthin geführt, wo ich heute bin.

Ihre Gruppe untersucht, wie Pflanzen Entwicklungsprogramme mit Stresssignalen verknüpfen. Was bedeutet das und warum ist es wichtig?
Justyna Olas: Pflanzen können Umweltbedingungen wie Hitzestress nicht entkommen. Stattdessen haben sie faszinierende Anpassungsmechanismen entwickelt, um zu überleben: Sie verlangsamen ihr Wachstum, verändern ihre Blütezeit oder verzögern die Fruchtbildung. Wir erforschen die molekularen Mechanismen hinter diesen Anpassungen, insbesondere das „thermische Gedächtnis“ – die Fähigkeit, sich frühere Hitzeereignisse zu erinnern und künftig effektiver darauf zu reagieren. Wir wollen herausfinden, ob Mechanismen, die bei Modellpflanzen wie Arabidopsis entdeckt wurden, auch bei Kulturpflanzen wie Tomaten erhalten sind. Zu unseren nächsten Schritten gehören die Überprüfung dieser Übertragbarkeit, die Identifikation weiterer molekularer Regulatoren und die Anwendung dieses Wissens, um die Resilienz von Nutzpflanzen zu verbessern. Dies ist entscheidend, um Gartenbaukulturen widerstandsfähiger gegenüber den Klimawandel zu machen.
Die Möglichkeit, grundlegendes Wissen von Modellpflanzen auf Kulturpflanzen zu übertragen, ist faszinierend. Sie verbindet wissenschaftliche Neugier mit gesellschaftlicher Relevanz – Pflanzen dabei zu helfen, extreme Temperaturen zu überstehen, ist sowohl spannend als auch sinnvoll.

Wie hat sich Ihre wissenschaftliche Arbeit verändert, seit Sie Ihre eigene Gruppe leiten?
Justyna Olas: Ich teile meine Zeit nun zwischen wissenschaftlicher Arbeit und der Förderung anderer in ihrer wissenschaftlichen Arbeit auf. Dazu gehört die Entwicklung von Projekten, Einwerbung von Drittmitteln, Aufbau von Kooperationen und die Unterstützung meines Teams. Am meisten hat sich das Verantwortungbereich verändert: Ich bin nicht nur für meine eigenen Experimente verantwortlich, sondern auch dafür, ein Umfeld zu schaffen, in dem Studierende und Postdocs sich wissenschaftlich und persönlich weiterentwickeln können. Ich genieße diese Veränderung, weil ich damit die Forschungsrichtung mitgestalten, junge Wissenschaftler*innen fördern und ein Team aufbauen kann, das eine gemeinsame Vision teilt.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Justyna Olas: Unterstützend, kooperativ und befähigend. Ich gebe Raum für Eigenständigkeit, biete aber Führung und Struktur, wenn sie benötigt werden. Kommunikation, Offenheit und Vertrauen sind dabei zentral.

Dr. Justyna Olas erforscht, wie Pflanzen Umweltstresssignale in ihre Entwicklung integrieren. Foto: IGZ/J. Vogt
Dr. Justyna Olas erforscht, wie Pflanzen Umweltstresssignale in ihre Entwicklung integrieren. Foto: IGZ/J. Vogt

Am IGZ ist die Verteilung von Führungspositionen zwischen Frauen und Männern im Vergleich zu vielen anderen Forschungseinrichtungen bemerkenswert paritätisch verteilt. Wie erleben Sie diese Kultur im Arbeitsalltag?
Justyna Olas: Die ausgewogene Geschlechterverteilung fördert ein inklusives, unterstützendes und offenes Arbeitsumfeld, in dem Vielfalt als normal erlebt wird. Junge Wissenschaftlerinnen fühlen sich ermutigt, Ideen einzubringen. Eine Wissenschaftliche Direktorin ist ein inspirierendes Beispiel für exzellente und inklusive Führung. Ihr Ansatz schafft eine Kultur, in der Kolleg*innen sich wertgeschätzt, respektiert und motiviert fühlen, sich einzubringen. Insgesamt fördert dies eher kollaborative Entscheidungsprozesse statt strikter Hierarchien. Dadurch fühlen sich insbesondere junge Forschende und Frauen wohler, Ideen einzubringen und Initiative zu ergreifen. Diese Diversität stärkt Kreativität und Innovation im gesamten Institut.

Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig, um echte Chancengleichheit in der Wissenschaft zu gewährleisten?
Justyna Olas: Mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist wesentlich, reicht aber allein nicht aus. Repräsentation ist wichtig, sie verändert die Wahrnehmung darüber, wer führen kann, und liefert wichtige Vorbilder. Am IGZ zeigt die Wissenschaftliche Direktorin zusammen mit Gruppenleiterinnen, wie wirkungsvoll diese Sichtbarkeit sein kann. Für echte Chancengleichheit brauchen wir jedoch mehr als das. Wir brauchen Strukturen, die insbesondere Frauen mit Kindern unterstützen, damit sie nicht zwischen wissenschaftlicher Karriere und Familie wählen müssen. Dazu gehören familienfreundliche Arbeitszeiten, flexible Arbeitsmodelle, verlässliche Kinderbetreuung und Bewertungssysteme, die unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen – Maßnahmen, von denen hier am IGZ bereits viele umgesetzt sind und von denen ich während meiner Zeit hier profitiert habe.
Nur wenn Sichtbarkeit und unterstützende Strukturen zusammenkommen, können wir sicherstellen, dass Frauen – einschließlich Mütter – die gleichen Chancen haben, in der Wissenschaft erfolgreich zu sein und Führungsrollen zu übernehmen wie ihre männlichen Kollegen.

Welchen Rat geben Sie Wissenschaftlerinnen am Anfang ihrer Karriere?
Justyna Olas: Glaubt an eure Fähigkeiten und bleibt neugierig. Eure Perspektive wird gebraucht. Besonders in wettbewerbsintensiven Umgebungen ist es leicht, an sich zu zweifeln, aber Selbstvertrauen wächst mit Erfahrung, und jeder kleine Schritt zählt.

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