NitroScope: Europäisches Projekt zur Zukunft des Stickstoffmanagements startet in Gent

26.11.2025
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© nitroscope.eu
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Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) ist seit November 2025 Teil des im Rahmen von Horizon Europe finanzierten Forschungsprojekts „NitroScope“, dass sich der präzisen Quantifizierung und nachhaltigen Steuerung von Stickstoffflüssen in europäischen Agrarsystemen widmet. Das Projekt wurde mit einem zweitägigen Kick-off-Treffen an der Universität Gent, Belgien, offiziell gestartet und vereint 25 Partnerinstitutionen aus 15 Ländern.

Die effiziente und nachhaltige Nutzung von Stickstoff gehört zu den zentralen Herausforderungen der europäischen Landwirtschaft. Obwohl Stickstoff ein unverzichtbarer Treiber für Erträge ist, führt sein übermäßiger Einsatz weiterhin zu Belastungen für Böden, Gewässer und Klima. Mit dem offiziellen Start des Projekts „NitroScope“ an der Universität Gent starten nun Forschungsarbeiten, um Stickstoffflüsse besser zu quantifizieren, zu steuern und langfristig zu reduzieren.

Während die EU im Rahmen des European Green Deal das Ziel verfolgt, bis 2050 klimaneutral zu werden, bleiben gasförmige Stickstoffemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden häufig unzureichend berücksichtigt – vor allem auf Grund fehlender Monitoringmöglichkeiten. genau hier setzt NitroScope: Das Projektentwickelt neue Methoden und digitale Werkzeuge, um diese Datenlücke zu schließen.

Das zweitägige Auftakttreffen, organisiert von der koordinierenden Universität Gent, brachte Vertreterinnen und Vertreter von 25 Partnerorganisationen aus 15 europäischen Ländern zusammen, darunter Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Über 50 Fachleute arbeiteten an einer gemeinsamen Vision, wie sich Stickstoffverluste aus Böden künftig präziser erfassen und wirksamer minimieren lassen. Die Diskussionen umfassten die Projektziele, die geplanten wissenschaftlichen Ansätze sowie die Integration innovativer Sensortechnologien, die an mehr als 100 Monitoringstandorten und fünf Pilotregionen in Europa zum Einsatz kommen werden. Zudem wurden Strategien entwickelt, um Fachkräfte aus Landwirtschaft, Beratung und Politik frühzeitig einzubinden und gemeinsam praxistaugliche Maßnahmen für ein verbessertes Stickstoffmanagement zu erarbeiten.

„NitroScope“ verfolgt das Ziel, Europa erstmals seit über zwanzig Jahren mit einer aktualisierten Stickstoffbilanz auszustatten. Dafür entwickelt das Konsortium sensorbasierte Verfahren zur Echtzeitüberwachung von Nitratverlagerungen und Lachgasemissionen, baut eine europäische Stickstoffdatenbank sowie eine Cloud-Plattform auf und verknüpft neue Erkenntnisse mit bestehenden landwirtschaftlichen Entscheidungshilfesystemen. So sollen Betriebe ihre Düngestrategien sowohl zeitlich als auch räumlich präziser anpassen können. Gleichzeitig liefert das Projekt wissenschaftliche Grundlagen für politische Empfehlungen im Rahmen des Green Deal, der Bodenstrategie 2030 und der Nitratrichtlinie.

Im Rahmen des Kick-offs wurden zentrale Meilensteine, Arbeitspläne und Kommunikationsaktivitäten abgestimmt. Die Partnerinstitutionen einigten sich außerdem auf die Umsetzung der fünf Pilotstandorte in Belgien, der Schweiz, Italien, Norwegen und Griechenland, an denen innovative Verfahren zum präzisen Stickstoffmanagement unter realen Bedingungen getestet werden.

In den kommenden Monaten beginnt das Konsortium mit der Installation der Sensoren, dem Aufbau von Betriebsnetzwerken sowie der Einrichtung der cloudbasierten Dateninfrastruktur. Erste Analysen zu Stickstoffflüssen und wirksamen Bewirtschaftungsstrategien werden Mitte 2026 erwartet und sollen Europas Weg zu einer klimaresilienten und zukunftsfähigen Landwirtschaft beschleunigen.

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