Gemeinsam führen, gemeinsam gestalten
Dr. Margita Hefner und Dr. André Sradnick über ihre neue Forschungsgruppen-Doppelspitze am IGZ
Der Einstieg ins Tandem: Warum gemeinsam leiten?
Margita Hefner: „Für meine wissenschaftliche Laufbahn war es ein logischer Schritt, eine Leitungsaufgabe zu übernehmen. Aber ehrlich gesagt hatte ich auch Respekt vor der Verantwortung. Die Möglichkeit, diese Verantwortung zu teilen, macht den Einstieg deutlich leichter und gibt Raum zum gemeinsamen Lernen.“
André Sradnick: „Als ich darüber nachdachte mich auf diese Leitungsposition zu bewerben, habe ich den Wunsch dazu verspürt, hatte aber auch Respekt vor der Verantwortung. Für mich war entscheidend, dass ich dieser Rolle auch wirklich gerecht werden kann, inhaltlich wie zeitlich. Ich habe lange überlegt, ob ich mich überhaupt auf diese Leitungsposition bewerbe. Das Job-Sharing-Modell hat mir den Einstieg in diese Rolle erleichtert. Als Margita auf mich zukam und eine gemeinsame Bewerbung vorschlug, war das für mich ein passender Impuls.“
Die Tandem-Bewerbung bedeutete intensive Abstimmungen, nicht nur inhaltlich, sondern auch strategisch. Schon vor Einreichen der Unterlagen war klar: Die Doppelspitze sollte explizit Teil des Konzepts sein. Das Bewerbungsschreiben wurde gemeinsam verfasst, der Vorstellungsvortrag zusammen vorbereitet. Auch die Rückfrage, ob das Modell am IGZ unterstützt wird, wurde vorab geklärt und positiv beantwortet.
Komplementäre Expertise, gemeinsame Vision
Wissenschaftlich bringen beide Leitungspersonen breite und zugleich unterschiedliche Kompetenzen mit.
Margita Hefner: „Wir haben eine starke fachliche Überlappung, zum Beispiel bei Themen wie Düngung oder Nährstoffkreisläufe. Gleichzeitig bringen wir unterschiedliche Perspektiven mit: André arbeitet viel mit Modellierungen und forscht zu Treibhausgasemissionen, während mein Schwerpunkt eher auf Bodenbiologie und Wurzelwachstum liegt. Diese Kombination empfinde ich als extrem bereichernd.“
André Sradnick: „Unsere Lebensläufe zeigen viele Parallelen, trotzdem haben wir in den gleichen Themenfeldern unterschiedliche Blickwinkel eingenommen. Das ermöglicht es uns, die Forschungsgruppe in ihrer Vielfalt auf Augenhöhe zu begleiten.“
Job-Sharing im Alltag: Entlastung statt Mehraufwand
Beide erleben die geteilte Verantwortung als Entlastung – gerade im Alltag zwischen Forschung, Projektleitung und organisatorischen Aufgaben.
Margita Hefner: „Ein großer Vorteil ist, dass ich unliebsame Aufgaben an André abschieben kann! Aber im Ernst: Wir können Aufgaben entsprechend unseren Stärken verteilen. Und im Tandem können wir bessere Entscheidungen treffen, wenn wir sie vorher gemeinsam reflektieren. Dazu kommt, dass ich mit André viel weiter und größer denken kann, als ich es allein tun würde."
André Sradnick: „Es gibt natürlich Leistungsdruck – aber durch das Modell verteilt sich dieser besser. Gerade wenn sich Projektleitung und Leitungsaufgaben zeitlich überschneiden, kann das sehr stressig werden. Gemeinsam lässt sich das viel besser managen. Natürlich braucht gute Abstimmung Zeit, aber die gewonnene Sicherheit und Klarheit gleichen das mehr als aus. Unser Ziel ist, unsere Gruppe nicht nur zu verwalten, sondern sie aktiv zu führen und weiterzuentwickeln. Das ist anspruchsvoll.“
Strategieentwicklung als Gruppenprozess
Ein detailliertes Konzept für die künftige Ausrichtung der Forschungsgruppe war zum Amtsantritt noch nicht fertig – bewusst nicht. Stattdessen setzen Hefner und Sradnick auf einen gemeinsamen Entwicklungsprozess mit dem Team.
André Sradnick: „Wir sind aktuell in einem Findungsprozess. Die Ausrichtung der Gruppe möchten wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickeln. Wir wollen, dass Ihre Perspektiven und Erfahrungen einfließen. Wir planen, innerhalb des nächsten Jahres strategische Leitlinien zu formulieren.“
Margita Hefner: „Die fachliche Breite unserer Gruppe empfinden wir als großes Potenzial. Themen wie Klimawandel, Fachkräftemangel oder Digitalisierung betreffen den Gemüsebau direkt. Wir wollen hier gemeinsam mit dem Team Schwerpunkte setzen, unter anderem bei einem geplanten Retreat.“
Ein zentrales Ziel der beiden ist es, die Forschungsgruppe noch stärker mit aktuellen Herausforderungen im Freilandgemüsebau zu verknüpfen.
André Sradnick: „Wir möchten Synergien schaffen, intern und extern. Es gibt viele spezialisierte Akteur*innen, aber häufig fehlt die übergreifende Vernetzung. Gerade für den Freilandgemüsebau, der aktuell nicht besonders nachhaltig ist, möchten wir systemische Ansätze entwickeln.“
Margita Hefner: „Wir wollen dafür noch enger mit den Programmbereichen des IGZ und anderen Instituten kooperieren, und unser Netzwerk so erweitern, dass wir gemeinsam etwas bewegen können.“
Weitere Informationen zu Projekten, Publikationen und Team finden Sie auf der Seite der Forschungsgruppe “Anbausysteme Feld“.